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schönes, erfreuliches
und bemerkenswertes


Der meistgelesene Kulturblog der Hauptstadt – mit Kurzkritiken zu Theater, Tanz, Performance, Oper, Kunst, Kino und Literatur: bemerkenswert, sehenswert, hörenswert.

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Lohengrin

© Marcus Lieberenz

Klaus Florian Vogt ist Lohengrin. Und seiner nicht einordenbaren gleichsam überirdischen Stimme kann man stundenlang zuhören. Er kommt als Gottgesandter, gestehst Elsa nach zwei Minuten seine Liebe, und stellt dazu gleich eine klare Bedingung: »Nie sollst du mich befragen …« – und damit eines der berühmtesten Leitmotive der Oper vor.

Der mythische Retter mit Engelsflügeln findet in John Lundgren, als Friedrich von Telramund, einen starken Gegenspieler, dem stimmlich wie darstellerisch ein vielschichtiger und packender Zugriff gelingt. Es lohnt also die Besetzungsliste zu studieren.

Kasper Holten will die politische Dimension des Stückes erzählen: Der Gerichtskampf ist auch ein Kampf um die Fürstenwürde von Brabant. Dafür hat er einige klare Bilder gefunden. Eine sehenswerte Inszenierung, die immer wieder mit Starbesetzungen aufwartet.


Deutsche Oper Berlin
So 5. Februar 2017 um 16 h

 

Salome

© Monika Rittershaus

Nicht gerade eine schöne Geschichte, die Oscar Wilde dramatisierte und Richard Strauss vertonte. Beide fasziniert von der christlich-mythologische Frauengestalt, die fortan weibliche Grausamkeit und erotische Schönheit zugleich verkörperte.

Claus Guth findet eine schlüssige Inszenierung für Strauss’ rauschhafte Musik und die scheinbar unerklärliche Grausamkeit der Salome. Aus dem Tanz der sieben Schleier macht er eine Rückschau in die Kindheit der Hauptfigur, so dass am Ende sieben Salomes über die Bühne tanzen.

Der 90 Minuten Abend ist auch stimmlich hochkarätig besetzt: Allison Oakes dramatisiert kongenial diese Zerrissenheit der Figur, der Gewalt angetan wurde und die am Ende Gewalt antut. Ein hörenswerter Abend.


Deutsche Oper Berlin
Fr 13.01.2017 um 20 h


(Golden Hours) As you like it

© Anne Van Aerschot

»How can moments go so slow?«, singt Brian Eno und dazu bewegen sich elf Tänzer in Zeitlupe. Man merkt wie erstaunlich Enos Nummer »Golden Hours« zu Anne Teresa De Keersmaekers Stil passt. Nach dem Intro entwickelt sich »(Golden Hours) As you like it« dann zu einem Handlungsballett des 18. Jahrhundert, mit Anleihen aus dem Ausdruckstanz. Performt wird Shakespeares Komödie »Wie es euch gefällt« (1599), sporadisch begleitet von Brian Enos Album »Another Green World« (1975) und eingeblendeten Dialogzitaten.

Die elf fabelhaften Tänzer illustrieren ausdrucksvoll und körperlich als sprächen sie die Dialoge innerlich. Für die Liebestollheit von Shakespeares Komödie interessiert sich De Keersmaeker aber nicht. Mit formaler Strenge gestaltet sie das Spiel um Sein und Schein, Liebe und Geschlecht, Identität und Freiheit. Ironische Noten sind spärlich. Und so bleibt Shakespeares Komödie eine kühle Interpretation – trotz der Verve und des Esprits der jungen Rosas Tanzcompany.


cultuurcentrum Hasselt, Belgien
Di 12. April 2016

STUK Kunstencentrum Leuven, Belgien
Fr 15. und Sa 16. April 2016

La Filature Mulhouse, Fankreich
Di 19. April 2016

Opéra de Lille, Frankreich
Di 26. und Mi 27. April 2016

Ruhrtriennale, Bochum
Do 22 bis Sa 24. September 2016

weitere Termine

 

Lohengrin

© Mats Bäcker

Eine Feder fällt vom Himmel: Elsa entgegen. Nicola Raab inszeniert den sagenhaften Stoff des Lohengrin atmosphärisch dicht und beweist einmal mehr, dass sie zu den Geschichtenerzählern unter den Regisseure gehört. Im kongenialen Zusammenspiel von Story-Telling, Bühnenbild, Kostüm- und Licht Design entsteht ein klarer und vielschichtiger Opernabend, ein Abend der großen Bilder – und leisen Töne.

Gemeinsam mit Lohengrin, hofft man, könnte man die Begrenztheit des Menschseins überwinden: mit der großen Liebe. Die fein ausgearbeiteten Charaktere der Figuren legen die transzendenten Aspekte der Geschichte frei: überragend singend und spielend Steven Humes als Heinrich. Unter der musikalischen Leitung von Alexander Vedernikov erlebt man höchsten Hörgenuss. Ein großer Wurf.


Oper Kopenhagen
Do 28. Januar 2016
So 31. Januar 2016
So 7. Februar 2016
Fr 12. Februar 2016
Di 1. März 2016
So 6. März 2016
Mi 9. März 2016
So 13. März 2016

Peter Pan

© Annette Boutellier

Staunen, Kreischen, Tanzen. Das Publikum sitzt nicht still. Egal ob Groß oder Klein. Der Junge, der nicht erwachsen werden will, entzückt nicht nur die Kinder. In der kongenialen Zusammenarbeit von Regisseur Michael Lippold und den Musikern von »The bianca Story« gelingt eine abenteuerlustige Inszenierung. Die Schauspieler machen einen phantastischen Job und es ist eine Freude ihnen zuzusehen.

So entsteht schon nach wenigen Szenen eine Sogkraft, die in der Flugszene ihren Höhepunkt findet. Hier wird das Weihnachtsmärchen zum sphärenhaften Rockkonzert und man möchte, dass sie ewig weiter fliegen. »The bianca Story« liefert eine Menge Input mit den hitverdächtigen Songs, eigens entwickelt und komponiert für dieses Stück.

Anders als in der Vorlage von J.M. Barrie, lässt Lippold das Ende offen, und doch singt die Band: Hope there is Hope …  Also schnell auf nach Bern.

Konzert Theater Bern, Stadttheater Bern
Mon 28. Dezember 2015, 15 und 19:30 h
Sa 2. Januar 2016 um 15 h
So 3. Januar 2016, 15 h
So 10. Januar 2016, 8 h
Mi 17. Februar 2016,  19:30 h

 

La Passion de Simone

© Ruth Walz

Nach den beiden eindrucksvollen Passionen von Bach hat Peter Sellars, Artist in Residence, nun Kaija Saariahos »La Passion de Simone« in Szene gesetzt. Die Passion zeichnet einen musikalischen »Kreuzweg« der Sozialrevolutionärin Simone Weil in 15 Stationen nach. Sellars inszeniert Weils Asketentum und ihre Suche nach Wahrheit weniger als Musiktheater denn als szenisch minimalistische Einrichtung.

Julia Bullock charaktervoller Sopran bewegt sich natürlich durch die atmosphärischen Klangflächen des Oratoriums für Solosopran, Chor und Orchester. Die Vielschichtigkeit und Transzendenz eines nur 34jährigen Lebens sind in dem 75-Minuten-Werk eher musikalisch eingefangen, denn inszenatorisch. Der Abend weckt Interesse, sich mit der wichtigen politischen Aktivistin zu beschäftigen.


Berliner Philharmoniker in der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin
Do 26. November 2015 um 20 Uhr

Orfeo

© JU / Ruhrtriennale

Susanne Kennedy, Suzan Boogaerdt und Bianca van der Schoot nennen ihre performative Installation eine Sterbeübung nach Claudio Monteverdi. Der Besucher bewegt sich in einer Versuchsanordnung und durchquert in abgezirkelten Zeitfenstern sieben beklemmende Räumen in denen man einem knappen Duzend Euridikes begegnet, alle maskiert mit dem gleichen »resting bitch face« und Blondie Perücke.

Das Solistenensemble Kaleidoskop darf auf weiß getünchten Instrumenten Versatzstücke von Monteverdis Oper vorspielen, und auch wenn Hubert Wild einem den Orpheus singt, bleibt am Ende vor allem eines: die Sehnsucht nach Musik.


Martin Gropius Bau, Berlin
Mi 30.9.2015 bis So 4.10.2015, jeweils 10 bis 19 h

Bayreuther Festspiele

»Das älteste, echteste und schönste Organ der Musik, das Organ, dem unsere Musik allein ihr Dasein verdankt, ist die menschliche Stimme.«


Richard Wagner

25.07.2015

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Giulio Cesare in Egitto

© Iko Freese / drama-berlin.de

Der Titel täuscht: Eigentlich ist Cleopatra die zentrale Figur von Händels arienreicher Oper und nicht Cäsar. An der Komischen Oper Berlin hat das Frauen-Regie-Team um Lydia Steier eine Inszenierung gesponnen, die die Königin von Ägypten als treibende Kraft zeigt – die taktiert und kalkuliert, umgarnt und sich verliebt. Selbständig, selbstbewusst und gleichberechtigt, wie es Frauen im antiken Ägypten waren.

Die antike Handlung aber wurde verlegt in die musikalische Heimat der Oper: ins Barock. Gelage und Orgien zeichnet die Regisseurin mit wuchtigen Bildern in Sälen mit aufgebrochener Decke und blätternder Farbe. Das Barocke wird immer wieder kontrastiert mit zeitfremdem Kitsch, Abu Ghraib Folter, einem Römischen Streitwagen. Warum Tolomeos Harem, der aus lauter Cleopatras besteht, auf vergoldeten Thonet Stühlen tanzt, wüsste man gern.

Präzise und zugleich weich macht Konrad Junghänel, als musikalischer Leiter, Händels Einfallsreichtum hörbar und sichtbar. Valentina Farcas strahlt als sinnliche Cleopatra. Statt eines Kastraten hören wir Bariton Dominik Köninger als männlich markanten Cäsar. Und so gelingt dem hauseigenen Ensemble musikalisch wie darstellerisch ein stellenweise schlüssiger Abend.

Komische Oper Berlin
Juni 2015: Do, 11., So, 14., Sa, 27.
Juli 2015: Sa, 4., Do, 9.
September 2015: Fr, 11., Sa, 19., Sa, 26.
Oktober 2015: So, 4., Sa, 31.

Siegfried

© Tom Schulze

In Wagners musikalisch schwierigstem Stück brilliert das Gewandhausorchester Leipzig in Bestform. Den Mythos um den märchenhaften Held erzählt Rosamund Gilmore tänzerisch mit hübsch bewegten Farnen und Waldvögelein. Vieles im nibelungen’schen Deutungsgebirge gerät ihr zur Dekoration in Puppenstubenformat. So bleibt Siegfrieds zentrale Transformation vom Jüngling zum Manne in den Kinderschuhen stecken. Die Sehnsucht nach Liebe kauft man dem Helden in Latzhosen nicht ab.

Es gibt aber auch Bilder, die glücken, weil sie den Handlungsfaden schlüssig und dicht zum Schicksalsfaden der Figuren verweben. Die berührendste Szene des Fünf-Stunden-Epos gelingt Nicole Piccolomini und John Lundgren als Erda und Wanderer. Wotan wendet sich wehmütig an Erda, schließlich ratlos singt er seiner Ex-Geliebten zum Abschied: »träumend erschau’ mein Ende!« Es schwant ihm die Götterdämmerung.


Oper Leipzig
So 24. Mai 2015
Sa 30. Mai 2015
So 21. Februar 2016
Sa 7. Mai 2016
Fr 1. Juli 2016
So 12. März 2017  um 15 h
Sa 25. März 2017 
Sa 1. Juli 2017
jeweils um 17 h


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